| Mit dem
Rollstuhl auf den Spuren Marco Polos und Dschingis Khans. Ein nicht
alltäglicher Reisebericht von Thomas Huber.
Los ging es
mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, eine Rundreise durch Usbekistan
sollte es werden und wir haben gebucht. Aber was haben wir uns da
angetan?! Alle Freunde und Bekannten waren im Vorfeld ratlos:
Wo liegt dieses ominöse Land Usbekistan; war oder ist das nicht
russische Besatzungszone? Islamisch oder gar tallibanisch????
Kurz und gut, es wusste keiner so ganz genau wo das liegt und was
man als Tourist in diesen unseren Krisenzeiten dort eigentlich wolle.
Aber da
ist etwas, das ein jeder schon einmal gehört oder sogar ersehnt
hat. Städtenamen wie TASCHKENT, SAMARKAND oder CHIWA sind in
unseren hintersten Gehirnwindungen abgelegt. Verbinden wir diese Namen
nicht mit der sagenumwobenen Seidenstrasse, die von China über
Asien nach Istanbul oder ans schwarze Meer führte? Denken wir
nicht an endlose Kamelkarawanen, wilde Berberstämme und traumhafte
Oasen, die nach langem Wüstenmarsch die Wanderer mit kühlem
Nass und exotischen Früchten unter sternenklaren Nächten
verwöhnen? Da gab es doch berühmte Namen wie DSCHINGIS KHAN
und MARCO POLO ?? Sie sahen unermessliche Reichtümer in den Oasenstädten.
Stadtmauern umgeben von WüsteHitze und nächtlichen Nullgraden,
die die Pilger und Fürsten zwischen den Reisen beherbergten und
beschützten. Es wurden Städte gebaut und wieder zerstört,
die mit ihren einmaligen Moscheen, Schlössern und Gartenanlagen
zu den damaligen und auch heutigen Weltwundern gehören., 
Also da
wollten wir hin, nach Usbekistan. Wir, das waren 7 Rollstuhlfahrer/innen,
5 Begleitpersonen und Ehepartner und Sven und Wolfgang als wüstentaugliches
Helferteam und Reiseleitung. Natürlich hatten wir uns über
unser exotisches Reiseziel belesen und vorbereitet:
•
REPUBLIK USBEKISTAN: liegt im zentral-asiatischen Teil der GUS (Gemeinschaft
Unabhängiger Staaten); sie grenzt im Norden und Nordwesten an
Kasachstan, im Süden an Turkmenistan und Afghanistan (!!!), im
Osten an Tadschikistan und die Kirgisische Republik. Sie hat eine
Ausdehnung von Nord nach Süd von ca. 1000 km und von West nach
Ost von rund 1400 km. Das Gebiet des heutigen Usbekistan ist seit
etwa 2000 Jahren vor Christus besiedelt.
• Nach persischer, seleukidischer und arabischer Herrschaft
besetzten 1219 n.Chr. die Mongolen das Land. Nach dem Tod Dschingis
Khans 1227 n.Chr. fiel das Land an die goldene Horde, den westlichen
Teil der Mongolischen Reiches. Nach der glorreichen Herrschaft Timur-Lengs,
zerfiel das Großreich im 16. Jahrhundert in kleinere Reiche,
den Khanaten. Diese Khanate bewahrten bis zu ihrer Eroberung durch
Russland im 19. Jahrhundert ihre Unabhängigkeit. Aus dem 1920
gegründeten Volksrepubliken Buchara, Choresmen und Teilen Turkmenistans
wurde 1924 die Usbekische SSR, die dann 1925Teil der UdSSR wurde.
Anfang der neunziger Jahre verstärkten sich die Unabhängigkeitsbestrebungen
Usbekistans, was 1991 zur vollen Unabhängigkeit führte.
Wir
wollten also dieses Land bereisen, ja sogar durchqueren und buchten
bei dem einzigen Spezialveranstalter, der vermutlich verrückt
genug war, mit körperbehinderten Gästen eine solche Herausforderung
an zu nehmen: GRABO-TOURSREISEN aus Ohmbach/Pfalz. Diese Firma ist
seit Jahrzehnten bekannt für weltweite abenteuerliche Exkursionen
von Rheinsberg bis Nepal und Afrika.
•
EINREISE für Deutsche: Ein Visa ist notwendig. Es wird allen
Reisenden empfohlen eine Auslandsreisekrankenversicherung abzuschließen.
Reisende mit Visum müssen bei Einreise auch die Hotelvoucher
vorlegen können (regelt normal der Veranstalter)
• ANTRAGSUNTERLAGEN: 1xAntragsformular; 2x Passbilder; mind.
6 Monate gültiger Reisepass.
• VISAGEBÜHREN: Für Touristen bis 30 Tage ca. 60.-
USS; Antragsdauer: 3-7 Arbeitstage (wehe es sind nationale oder/und
deutsche Feiertage und Wochenenden dazwischen, dann kann es dauern)
•
ZEITVERSCHIEBUNG: Mitteleuropäische Zeit (MEZ) + 4 Stunden. Sommerzeit
+ 3 Std.
• KLIMA: Usbekistan hat durch seine Lage ein extrem kontinentales
Klima, das sich durch kurze, sehr kalte Winter, einen frühen
Frühling, lange heiße Sommer und angenehme Herbstmonate
auszeichnet. Es scheint an ca. 300 Tagen die Sonne.
• FLUGZEIT: Frankfurt-Taschkent ca. 6:30 Std.

Also nach langen und teueren Visumformalitäten, die Helfer Sven
direkt in seiner Heimatstadt Berlin vornahm und auch erfolgreich durchstand,
ging es Mitte August endlich los. Abflug war ab Frankfurt mit Usbekistan
Airways. Der Flug war angenehm und das Flugzeug sowie die Crew waren
bestens und die Sitze bequemer als in manch einem deutschen Charterklipper.
Der erste Kontakt mit asiatisch/russischer Ruhe hatten wir beim Ausstieg
in Taschkent. Wir wurden mit einem nagelneuen „Hublifter“
direkt vom Flieger runtergeholt und zu einem Spezialeingang gefahren.
Der Eingang war so spezial das keiner des Personals, der Wachsoldaten
und der umtriebigen Gepäckleute einen Schlüssel hatten.
Nach 30 weiteren usbekischen Minuten fand sich ein solcher dann doch
ein und wir konnten zu unseren Koffern vorgelassen werden. Alles weitere
klappte eigentlich recht flott, bis auf unsere Visas, die waren trotz
aller Vorbereitung irgendwie nicht richtig abgestempelt, aber als
die Zöllner die Rollstühle sahen ging es dann doch. Alle
Koffer waren da, der von GRABOTOURS organisierte Bus (mit deutsche
Reisebüroanschrift) tatsächlich auch, die nötigen Sitze
waren ausgebaut, der Buskofferraum freigeräumt und der Busfahrer,
ein russischer Helfer und unser Reiseleiter waren ebenfalls vorhanden
und harrten der Dinge die da aus Deutschland angerollt kamen. Dann
ging es los durch seltsam ruhige und verkehrsarme Prachtstrassen zu
unserem Tophotel *****MERIDIEN im Herzen Taschkents.
•
TASCHKENT: Die usbekische Hauptstadt, deren Name auf deutsch „
Siedlung aus Stein“ bedeutet, wird von Neubauten geprägt,
da 1966 der größte Teil der historischen Gebäude bei
einem Erdbeben zerstört wurden. Unzerstört blieb das Mausoleum
Kaffali-Schasch und der Eski-Juva-Bazar. Durch die vielen Prachtstrassen,
Alleen, Gärten und Parks ist das junge Taschkent eine grüne
und moderne Stadt. Über 20 Museen gibt es in Taschkent, von denen
sich das Museum für angewandte Kunst (viele schöne Stufen!!!)
und die Nationalgalerie (noch mehr Stufen...) einen Besuch lohnen.
• Das Abenteuer USBEKISTAN 2003 konnte beginnen!
Die Route
führte uns von Taschkent per Inlandsflug (sehr heiß und
spartanisch) in den Nordwesten, nach Urgench. Das zweite ****Hotel
war nagelneu und ebenfalls sehr zentral, aber Urgench mutete doch
noch sehr russisch an. Viele Plattenbauten und noch weniger Autos
auf den Strassen erinnerten an die Vorstädte Moskaus und Kiews.
Unsere Zimmer waren diesmal alle im 2.Stock und in der eiligen Bauphase
hatten die Ingenieure den Aufzug vergessen, dafür gab es eine
marmorne Prunktreppe, die wir dann mit vereinten Kräften morgens
und abends benutzten.
Die Menschen
in Usbekistan sind unwahrscheinlich hilfsbereit und
keinesfalls auf ein schnelles „Bagschis“ aus. Sie helfen
sehr gern und haben eine sehr rasche Auffassungsgabe in Handhabung
von Rollstühlen und der Bezwingung von Stufen, von denen es in
den Denkmälern und Sehenswürdigkeiten wirklich genug gibt.
Auf den Basaren erlebten wir es immer wieder, das die Händler
uns kleine Geschenke überreichten ohne einen Gegenwert dafür
zu erwarten – wo gibt es denn so etwas noch?!? Überhaupt
waren wir die eigentliche Attraktion auf vielen Märkten und Bazaren.
Neugierig, aber immer wohlwollend und freundlich, bestaunten uns Erwachsene
wie Kinder. Viele zahnlose Münder mit asiatischem Lächeln
sprachen mit uns, und obwohl keiner den anderen verstand, klappten
die Unterhaltungen immer besser. Das Klima war sehr warm bis heiß
und man sollte als Westeuropäer vielleicht den Herbst bevorzugen,
aber so hatten wir immer blauen Himmel und vor allem warme Nächte.
Die ersten Ausflüge in die Vergangenheit begangen mit der lebendigen
Museumsstadt CHIWA im Norden von Urgench. Überwältigende
Kulisse inmitten einer
mystischen Steppenlandschaft. Dort wurden die ersten landestypischen
Schaffellmützen ausprobiert und erstanden. Dann ging es weiter
auf löchrigen und holprigen Überlandstrassen Richtung Buchara
und Samarkand. Tagesetappen von 400-500 km durch menschenleere Wüstenlandschaften
muss man schon über sich ergehen lassen. Die Aussicht aus unserem
klimatisierten Bus wechselte von Steinwüsten zu Hügelgebieten
und schroffen Felsformationen. Nomaden ziehen wie einst auf für
uns unsichtbaren Wegen durch den ewigen Wüstenwind und Ziegenherden
äsen grasleere Weiden ab.
• BUCHARA: Ebenfalls an der Seidenstrasse gelegen ist berühmt
für seine Teppichmanufakturen und seine bizarre Altstadt, die
zu den am best erhaltenen der islamischen Welt zählt. Unter den
mehr als 140 Bauwerken gilt das Ismail-Samani-Mausoleum als eines
der ältesten noch erhaltenen Bauten Mittelasiens.
• SAMARKAND: Zweitgrößte Stadt Usbekistans und etwa
2600 alt. Viele
weltberühmte Bauwerke zeugen noch heute vom einstigen Reichtum
der fantastischen Oasenstadt. Am beeindruckenden Rigestan-Platz, dem
historischen Zentrum Samarkands, befinden sich die farbenprächtigen
Medressen (Kuppelbauten) Schir-Dor sowie die Sternwarte Ulug-Beg.
Die Hotels in Buchara und Samarkand waren zwar die besten ****Häuser
am Platze, für den Toilettengang mussten aber die Türen
ausgehängt werden und der ein und andere Greifreifen abmontiert
werden. Aber wer das Abenteuer sucht, den können solche Kleinigkeiten
nicht abschrecken. Das GRABO-Helferteam und die tolle einheimische
Reisebegleitung, sowie der russische Busfahrer waren immer ansprechbereit
und mit Rat und Tat zu Werke. Nach 2000 km Rundreise kamen wir nach
12 Tagen wieder in Taschkent an. Glücklich und zersaust bezogen
wir noch einmal für eine letzte Nacht unsere Zimmer im Meridien-Hotel
und genossen den Luxus von großen, eleganten Badezimmern und
funktionierenden Kloospülungen und Klimaanlagen. Allerdings waren
die Bierpreise in diesem Luxushaus auch dementsprechend. In den letzten
Tagen hatten einige der Gruppe Bauch und Darmprobleme, die aber auch
die anderen Touristen nicht verschonten.
•
RESÜME: Eine wahrlich abenteuerliche Reise die voll mit vielen
außer gewöhnlichen Eindrücken und Sehenswürdigkeiten
gespickt war. Einmalige historische Bauten und Kulturdenkmäler;
ganze Stadtviertel belebt wie im Mittelalter und einmalige Menschen
waren tagtäglich nie erlebte Ereignisse. Die Hotels waren gut
bis sehr gut und die „rollstuhlfreundlichkeit“ der Sehenswürdigkeiten
kann nur mit kräftigen Helferarmen bewältigt werden. Das
Essen ist reichhaltig und besteht aus viel Gemüse, Obst und Fleisch
vom berühmten Spies. Unser Reiseleiter Wolfgang Grabowski hatte
so seine Probleme bei jedem Zwischenstop geeignete „europäische“
Toiletten zu finden, aber irgendwie hat er es tatsächlich immer
geschafft. Die nächsten Reisegruppen werden von all diesen Erfahrungen
profitieren werden aber auch auf manche von uns erlebten Abenteuer
verzichten müssen.
•
TIP: Genügend Film und Fotomaterial nicht vergessen. Es gibt
unendliche Fotomotive und Schnappschüsse. Es gibt gute
Ärzte und Apotheken in Usbekistan aber eine Darmprophylaxe für
südliche Länder sollten schon zu Hause begonnen
werden. Fragen Sie Ihren Hausarzt aber seien Sie auch nicht zu ängstlich.
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