Todesmutig
und voller Erwartungen ließen wir Rollifahrer uns am 7. März
2004 von vier Philippinos die Gangway hinauf auf Deck 6 der AIDA cara
tragen. Unter uns ging es ca. 20m in die Tiefe. Von meinen bisherigen
Kreuzfahrten war ich es immer so gewohnt, direkt vom Pier aus auf
Deck 3 die AIDA zu betreten. Doch diesmal war durch die Gezeiten der
Wasserstand zu niedrig, sodass man Deck 3 damals vom Pier aus gar
nicht erreichen konnte. Also mussten auch wir Rollstuhlfahrer die
30m lange Gangway hinaufgetragen werden. Die 4 Boys mussten 7 Rollstuhlfahrer
nacheinander nach oben bringen, und am nächsten Morgen evtl.
wieder hinunter da es in fast allen Häfen die wir anliefen Schwierigkeiten
mit dem Wasserstand gab. Ich überlegte mir noch, ob es vielleicht
für europäische Häfen eine sogenannte DIN-Vorschrift
gibt, da ich auf meinen europäischen Kreuzfahrten immer ebener
Erde ins Schiff gelangen konnte. Vielleicht liegt es ja auch daran
dass die Asiaten eben allgemein etwas kleiner sind. Klein aber sehr
kräftig und immer fröhlich und zuvorkommend wie wir gleich
bei unserer Ankunft feststellen konnten.
Die AIDA cara ist mit 8 Rollstuhlzimmern ausgestattet die ein paar
Zentimeter geräumiger sind als normale Kabinen.. Das Badezimmer
ist auch etwas größer und mit einem Klappsitz zum duschen
ausgestattet.. Da sich generell eine Stufe von 5cm vor den Badezimmern
befindet musste man um ins Bad zu kommen zuerst eine kleine Rampe
überwinden. Man kommt als Rollifahrer in einem solchen Zimmer
recht gut zurecht.
Insgesamt stehen den Passagieren auf der AIDA cara 5 Aufzüge
zur Verfügung. Selbstverständlich wurden sie auch alle von
den „gesunden“ Passagieren ausgiebig genutzt. Wir Rollifahrer
mussten oftmals eine halbe Ewigkeit auf einen freien Aufzug warten
da die übrigen Passagiere ihre auf der AIDA angefutterten Speckröllchen
lieber im AIDA-Fitness- Club loswurden als durch Treppensteigen. Laut
Yvette heißt AIDA „Abspecken Ist Danach Angesagt“.
Das kann dann schon richtig unangenehm für denjenigen werden
der auch im Urlaub auf seine Figur achten muss. Es war eigentlich
unmöglich bei einem Gang zum Büffet vorbei an den vielen
Köstlichkeiten den Verlockungen nicht zu erliegen. Spezialitäten
aus allen Regionen der Welt. Und an Getränken gab es natürlich
auch alles was das Herz begehrt, alkoholisches oder antialkoholisches
und alles war bereits inklusive.
Alles in allem ist die AIDA cara auch für Rollstuhlfahrer empfehlenswert,
einziges Manko ist die Tatsache, dass die Aufzüge der cara nur
bis Deck 10 fahren. Da sich die Discothek auf Deck 11 befindet haben
discobesessene Rollifahrer hier schlechte Karten. Von der AIDA-Crew
wurde dreimal eine abendliche Poolparty auf dem Sonnendeck veranstaltet.
Das Showensemble der AIDA führte jeden Abend ein neues Showprogramm
auf. Im AIDA-Theater wurde für uns Rollifahrer die 1. Sitzreihe
herausgenommen und so hatten wir den besten Blick auf die Showbühne.
Am nächsten Tag machten wir im malaysischen Langkawi unseren
1. Landgang. Natürlich war auch der Hafen von Langkawi nicht
an die europäische Hafenbeckennorm angeglichen (ob es die wirklich
gibt weiß ich nicht, wohl eher nein), jedenfalls mussten die
Philippinos, die immer freundlich und sehr hilfsbereit waren, wieder
ran. Nachdem wir uns in Langkawi das größte Adlermonument
der Welt, und in einem Aquarium die erstaunlichsten Fische die ich
je zu Gesicht bekam, angesehen hatten, begaben wir uns in ein asiatisches
Restaurant. Was mir hier immer wieder auffiel war die freundliche
und sehr liebevolle Art der thailändischen Bedienung. 10 Kellnerinnen
standen um unseren Tisch herum und halfen uns sofort, sobald wir irgendwelche
Schwierigkeiten hatten wie z.B. beim Krabbenpulen. Als wir später
zum Schiff zurückkamen war der Wasserstand zwischenzeitlich gestiegen,
sodass wir über Deck 3 die AIDA betreten konnten. Am frühen
Abend kam dann, wie bereits angekündigt, der übliche Generalalarm
zur wöchentlichen Seenotrettungsübung. Der nächste
Hafen war Port Klang – endlich ein Hafen mit einer Landungsbrücke
- für die anschließende Busfahrt nach Kuala Lumpur benötigten
wir fast 2 Stunden. Aber die Hauptstadt von Malaysia ist überaus
sehenswert. Kuala Lumpur hat in den letzten Jahrzehnten ein unglaubliches
Wirtschaftswachstum erlebt. Es gibt hier riesige Wolkenkratzer und
mit den PETROL TWIN TOWERS besitzt Kuala Lumpur das höchste Gebäude
der Welt, seit das World Trade Center in New York eingestürzt
ist. Und dennoch gibt es trotz der Moderne noch eine berittene Palastwache
die ganz in britischer Manier den Präsidentenpalast schützt.
Unsere
nächste Station war Singapur. In Singapur machte unser Schiff
an einem grauen und weniger schönen Reedehafen fest. Auch in
Singapur findet man eine boomenden Wirtschaft vor. In den letzten
20 Jahren hat der kleine Stadtstaat einen enormen Aufschwung erlebt.
Wolkenkratzer schossen aus dem Boden und machten Singapur zu einem
wichtigen Welthandelszentrum. Vor allem ist Singapur eine sehr saubere
Stadt. In dieser Stadt ist rauchen und Kaugummikauen in der Öffentlichkeit
verboten. Das Raffles Hotel wurde im Jahre 1886 erbaut und ist benannt
nach dem Gründer von Singapur. Bei einem Besuch wurden wir persönlich
von einem indischen Sikh empfangen, der wie noch zu britischer Kolonialzeit
die Gäste begrüßt. Singapur nennt man auch das asiatische
Venedig, denn die Stadt am Meer ist mit Kanälen durchzogen. Sehr
interessant war unsere Fahrt mit einem Bum-Boot vorbei an riesigen
Wolkenkratzern. Im chinesischen Viertel wurden unsere Teetrinker von
einem chinesischen Teemeister
über die richtige Teezeremonie aufgeklärt. Nach unseren
Ausflügen, bei dem unser Grabo-Team bei 30 Grad im Schatten und
80% Luftfeuchtigkeit, ganz schön ins Schwitzen kam, ging es wieder
zurück auf das Schiff.
Der
Reiseplan bei allen Kreuzfahrten ist für gewöhnlich immer
der gleiche: Nachts wird gefahren und tagsüber liegen die Schiffe
im Hafen damit die Passagiere an Land gehen können. Nur kurz
sind die täglichen Ausflüge in fremde Länder und Kulturen,
abends ist man immer wieder auf dem vertrauten deutschen Schiff. Die
ca. 1200 Passagiere der AIDA kommen fast ausschließlich aus
Deutschland. Von den ca. 600 Besatzungsmitgliedern kamen 350 von den
Philippinen, 150 aus Deutschland und die übrigen 100 Mitarbeiter
aus dem Rest der Welt.
Deutsch ist die Sprache die man hier spricht und die Währung
an Bord ist Euro. Und so merkte man nur bei den Landgängen, das
man sich hier in einer völlig anderen Region der Welt befindet.
Die Entfernung zwischen Singapur und Saigon beträgt 605 Seemeilen,
so war erst der 4. Tag unserer
Schiffsreise ein Seetag. Mitten im südchinesischen Meer konnte
man einige kleine Boote sehen. Was die hier in so großer Entfernung
zum Festland machen, war mir zunächst nicht klar. Der philippinische
Kellner meinte das seien Fischerboote. Hier gäbe es spezielle
Fischgründe. Na er muss es ja wissen, schließlich waren
wir hier fast in seiner Heimat.
In der Nacht fuhr unser Schiff den Saigon-River hinauf bis Ho-Chi-Minh-City.
Der Saigon-River ist ein sehr großer und auch recht kurviger
Fluss, in dessen Kurven sich selbst die riesig AIDA manchmal kräftig
zur Seite neigte. Am Morgen wunderte ich mich noch, wieso mein Rollstuhl
auf der anderen Seite des Zimmers steht. Bei anderen Mitreisenden
sind in der Nacht Schranktüren aufgegangen. Erst am Abend konnten
wir bei der Rückfahrt den Grund dafür feststellen.
Ho-Chi-Minh-City
wurde nach der Wiedervereinigung von Nord- und Südvietnam durch
die neue Regierung 1975 nach dem vietnamesischen Revolutionsführer
Ho Chi Minh umbenannt. Doch die Bevölkerung nennt ihre Stadt
noch heute störrisch beim alten Namen: Saigon. Für 1 $ wurden
wir per Rikscha durch den dicksten Straßenverkehr von Saigongekarrt.
Lauter Motorräder sind im Straßenbild Saigons zu finden,
ein fürchterliches Gewirr und Gehupe, aber ich habe keinen einzigen
Unfall gesehen. Und das, obwohl es hier keine Ampeln gibt. Dann besuchten
wir das Hotel Rex in
Saigon und tranken auf dessen Dachterrasse eine Tasse Tee.
An einem sehr geschichtsträchtigen Ort befanden wir uns hier.
In diesem Hotel hielten die Amerikaner damals während des Vietnamkrieges
immer ihre Pressekonferenzen ab die von den Journalisten damals abwertend
Märchenstunde genannt wurden. Abends ging es dann zurück
zur AIDA. Nachdem „alle Mann an Bord“ waren fuhren wir
wieder den Saigon-River bis zum Mekong-Delta zurück. Eine vierstündige
Fahrt bei der Kapitän und Besatzung mal zeigen konnten, was in
ihnen steckt.
Für
die Fahrt von Saigon bis Bangkok legt das Schiff 609 Seemeilen zurück
und deshalb stand für uns wieder ein Seetag auf dem Programm.
Seetage gefallen mir auch immer besonders gut, da man jetzt endlich
mal ein ausgiebiges Sonnenbad nehmen kann. Am Abend gab es dann um
21:30 Uhr im Theater die farewell-show mit anschließender Poolparty
auf dem Sonnendeck oder der Tageszeit entsprechend besser gesagt auf
dem Mondscheindeck. Am nächsten Morgen mussten wir Abschied nehmen
von der AIDA. Leider war die Zeit für einen Abstecher nach Bangkok
zu knapp geworden, und so ging es für uns direkt zum Flughafen
Bangkok und flogen dann weiter nach Phuket. Unser Hotel, das Sheraton
in Phuket hat mir sehr gut gefallen, es gab hier eine richtig paradiesisch
anmutende Außenanlage mit einer sehr weitläufigen Pool.
Das Hotel war auch gut geeignet für Rollstühle, alles gut
zu befahren, keine Pflasterungen, nur eben ein sehr weitläufiges
Hotel in dem es seine Zeit dauert, bis man sich auskennt. Die Behindertenzimmer
selbst sind nur bedingt behinderten-gerecht. Sie sind lediglich mit
einer Rampe vor der Tür und einigen Haltegriffen im Bad ausgestattet.
Einen schönen Strand besaß unser Hotel an dem unter anderem
auch eine 1-stündige Thaimassage zum Preis von umgerechnet 6
Euro angeboten wurde. Deutschlands Krankenkassen würden bei solchen
Preisen jubeln. Bei solchen Ganzkörpermassagen sollte man aber
darauf achten, das nicht die jungen hübschen, sondern die kräftigen
und schon etwas älteren Damen die meiste Erfahrung in ihrem Job
haben.
Was
mir am Anfang leichte Probleme bereitete war die freundliche fast
schon unterwürfige Art der Thaimädchen in unserer Lobby-Bar.
Die Bedienung kam an unseren Tisch und kniete sich auf den Boden um
unsere Bestellung aufzunehmen. Auch die Getränke wurden uns kniend
serviert, was für die Mädels oftmals gar nicht so einfach
war. Die Lebenshaltungskosten sowie die Löhne in Thailand sind
sehr niedrig, so waren die thailändischen Preise an der Hotelbar
ungefähr so hoch wie die in einer deutschen Kneipe.
Einige von uns ließen es sich nicht nehmen einmal das Nachtleben
von Patong mitzuerleben. Dort konnten wir die hartgesottenen Thailänder
beim Thaiboxen erleben, eine für die Zuschauer sehr interessante
aber auch ziemlich brutale Sportart. Wir besuchten anschließend
noch diverse Clubs (?!?), und fuhren dann mit einem thailändischen
Taxi, einem sogenannten Tuk-Tuk, zurück ins Hotel.
In einem der vielen Elefantencamps auf Phuket nahmen wir an einem
Elefantenritt teil. Dieser halbstündige Ritt auf den großen
Tieren war einfach geil, jeweils zu zweit saßen wir auf den
riesigen Muskelpaketen, vorne hinter den Ohren des Elefanten saß
der Mahut, es ging mitten durch den Dschungel. Besonders wenn es abwärts
ging war „gut festhalten“ angesagt, schließlich
saßen wir in 3m Höhe auf einem 5-Tonnen-Koloss. Aber alles
ging
gut und so haben wir am nächsten Morgen an einer Anlagestelle
in der Nähe von Phuket Town uns ein Speed-Boot für eine
Rundfahrt durch die Bucht von Phang Nga gemietet, wo bis zu 300m hohe
Kalksteinformationen aus dem tiefblauen Wasser ragen. Es gibt hier
unzählige kleinere und größere Inseln, die von tropischer
Vegetation überwuchert sind. Übrigens wurde hier auf der
Insel Koh Ping Kan, die die Form eines Zuckerhutes hat, der James-
Bond-Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“ mit Roger Moore
und Christopher Lee gedreht. Auf einer dieser paradiesischen Inseln
haben wir Halt gemacht und einen wundervollen Nachmittag verbracht.
Die Ausflüge mit 7 Rollstühlen, sowie dem jeweiligen herumheben,
waren eine richtig akrobatische Leistung unserer Helfer.
Am nächsten Tag mussten wir dann endgültig unseren wunderschönen
Urlaubsort verlassen, und fuhren zum Flughafen von Phuket. Pünktlich
startete unser Flieger in Richtung Heimat, sodass ich damit rechnete
morgen früh um 8.00 Uhr nach einem 12- stündigen Flug wieder
zu Hause zu sein. – falsch gedacht – Als wir im arabischen
Scharscha (so jedenfalls spricht man den Namen dieser Stadt aus, wie
man ihn schreibt weiß ich beim besten Willen nicht mehr) zum
Auftanken einen Zwischenstop einlegten, zog plötzlich Nebel auf..
Und da der dortige Flughafen kein Leitsystem besitzt, wie große
Flughäfen im allgemeinen haben, konnte unsere Maschine nicht
starten, und so saßen wir 5 Stunden in der Wüste fest.
Und so war ich dann eben erst um 13:00 Uhr zuhause, und hatte einen
unvergesslich schönen Urlaub hinter mir.

Klaus Sans
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